Uferbahn

Der rbb berichtet über die Uferbahn

Schmöckwitz war seit 1874 über einen Haltepunkt an der Görlitzer Bahn an das preußische Eisenbahnnetz angeschlossen. Die Station lag an der Grenze zur Gemeinde Eichwalde und war etwa drei Kilometer vom Ortskern entfernt. Um eine bessere Anbindung an die Eisenbahn in Richtung Berlin zu erreichen, wurde 1902 das Projekt einer Straßenbahnverbindung von Schmöckwitz aus bekannt gegeben. Diese sollte jedoch nicht den direkten Weg nach Eichwalde nehmen, sondern entlang der Dahme nach Grünau führen. Diese Streckenführung erlaubte einerseits die Anbindung der am Langen See angesiedelten Regatta- und Yachtclubs, andererseits bestand so die Option einer Verbindung mit der Cöpenicker Straßenbahn, die ihr Netz 1909 um eine Strecke zum Staatsbahnhof Grünau erweiterte.

Anfang 1911 begannen die Bauarbeiten, die nach einem Dreivierteljahr abgeschlossen waren. Der zunächst vorgesehene Oberleitungsbetrieb kam infolge von zahlreichen Protesten der Landgemeinde Grünau nicht zustande, da diese in der Oberleitung eine Verschandelung der Landschaft sah. Es wurde daher der Betrieb mit Benzol-Triebwagen erwogen. Die Eröffnung wurde trotz der fertigen Strecke auf das nächste Frühjahr verschoben, da die Uferbahn im Winter mit weniger Fahrgästen rechnete. Personal der Schmöckwitz–Grünauer Uferbahn vor dem Benzoltriebwagen 2,

Am 9. März 1912 erfolgte schließlich die Eröffnung der zunächst 7,8 Kilometer langen Strecke. Sie wurde von der Continentalen Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Gesellschaft betrieben, nach 1914 von deren Nachfolgerin, der AG für Bahn-Bau und -Betrieb (BBB). Eigentümerin der Bahn war hingegen die Landgemeinde Schmöckwitz. Die Bahn war zunächst eingleisig und mit fünf Ausweichen ausgestattet, Signalanlagen waren nicht vorhanden.[4] Von Grünau ging es zunächst zum Dahmeufer, von dort aus durch Westteil Karolinenhofs auf das Adlergestell. Entlang des Adlergestells und der Berliner Straße als deren Fortsetzung (1958 in das Adlergestell einbezogen) ging es nach Schmöckwitz, wo sich kurz vor dem Ortskern die Endhaltestelle befand. An diese schloss sich die Betriebswerkstatt an. Das Verwaltungsgebäude der SGU befand sich am anderen Streckenende in Grünau direkt vor dem Empfangsgebäude des Bahnhofs.
Bereits nach kurzer Zeit zeigte sich, dass der Fahrgastandrang deutlich höher war als erwartet. Die Verwaltung sah sich daher veranlasst, die Bahn auf Oberleitungsbetrieb umzurüsten. Die AEG begann ab dem 30. Mai 1912 mit der Montage der Fahrleitungsmasten. Rund zwei Monate später konnte der elektrische Betrieb am 27. Juli 1912 aufgenommen werden.[4] Da noch keine eigenen Fahrzeuge zur Verfügung standen, lieh sich die SGU zunächst vier auf Lyrabügel umgerüstete Berolina-Triebwagen der Großen Berliner Straßenbahn.[3][4] 1913 wurden diese durch fünf zweiachsige Triebwagen der Gottfried Lindner AG aus Ammendorf ersetzt und die GBS-Triebwagen zurückgegeben.
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Der Bahnhof Schmöckwitz – wer kennt ihn noch?

In der Mitte des 19. Jahrhunderts war Berlin bereits ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. So waren bis 1865 von Berlin aus Eisenbahnstrecken nach Potsdam / Magdeburg, nach Stettin, nach Wittenberg, nach Frankfurt/Breslau/Görlitz, nach Jüterbog/ Dresden, nach Hamburg und nach Stralsund in Betrieb gegangen. Bereits in den  fünfziger Jahren drängten ein Löbauer Eisenbahnkomitee, die Cottbuser Kaufmannschaft und Niederlausitzer Unternehmer auf einen direkten eisenbahnmäßigen Anschluß an Berlin. Nach ursprünglicher Ablehnung durch die preußische Regierung erfolgte am 7. Juni 1858 die landesherrliche Genehmigung zum Bau der Eisenbahnstrecke Berlin - Lübben - Cottbus - Görlitz. Doch dem sofortigen Baubeginn standen Finanzierungsschwierigkeiten entgegen, die erst 1863 unter Einbeziehung englischen Kapitals und eines Unternehmers und Maklers von Eisenbahnaktien, des "Eisenbahnkönigs"
Strousberg, überwunden werden konnten. Strousberg finanzierte die Bauunternehmer auch durch Bezahlung in Aktien der zu bauenden Eisenbahnstrecke. Am 18. Mai 1864 erfolgte die endgültige Genehmigung zum Bau der Strecke, und im Mai 1865 war Baubeginn. Wegen des Preußisch Österreichischen Krieges erfolgte eine Beschleunigung des Baues, so daß schon am 13. Juni 1866 die Strecke
bis Cottbus zum Truppentransport behelfsmäßig in Betrieb genommen wurde. Am 13. September 1866 wurde der Personenverkehr Berlin - Cottbus aufgenommen. Am 31. Dezember 1867 wurde auf der eingleisig ausgebauten Strecke Berlin - Görlitz der volle Betrieb aufgenommen. Die Bauzeit der 212 km langen Strecke war mit vier Jahren veranschlagt, nahm tatsächlich aber nur zweieinhalb Jahre in Anspruch. Im damaligen Kreis Teltow wurden als erste Bahnhöfe Grünau in der Mark, Königs Wusterhausen und Halbe eröffnet.

 Bahnhof Schmöckwitz WartehalleWartehalle auf dem Bf. Schmöckwitz

Die Entwicklung des Vorortverkehrs auf der Berlin-Görlitzer Eisenbahn ist im Zusammenhang mit dem Wachstum Berlins und dem Ausbau des Berliner Eisenbahnnetzes zu sehen. Im Jahre 1871 wurde der erste Teil der neuen Ringbahn in Betrieb genommen, und 1877 wurde sie vollendet; 1882 folgte die Inbetriebnahme der Stadtbahn. Um 1870 begann auch ein Ausflugsverkehr in den Südosten Berlins. Im Jahre 1873 erfolgte der Bau des zweiten Gleises bis Grünau in der Mark, und 1874 wurden im Bereich des Vorortverkehrs vier neue Haltepunkte geschaffen: Neuer Krug (heute Schöneweide), Adlershof, Schmöckwitz (Lage Eichwalde, Waldstraße) und Hankels Ablage (heute Zeuthen).

Im Kursbuch von 1880 sind ausgewiesen: TarifGörlitzer Bf. - Schmöckwitz
2. Klasse 120 Pf
3. Klasse 80 Pf

Es bestand noch kein verbilligter Vororttarif, dieser wurde bis Königs Wusterhausen 1891 eingeführt. Aus dem Fahrplan in diesem Kursbuch ging hervor, daß täglich 4 Züge in Richtung Königs Wusterhausen und 2 Züge in Richtung Görlitzer Bahnhof in
Schmöckwitz hielten. Die Fahrzeit zwischen Schmöckwitz und Görlitzer Bahnhof betrug rund 50 Minuten. Hennes schildert in seinen "Hundert Nachmittags- Ausflügen" 1884 (neun Jahre vor Gründung der Gemeinde Eichwalde! ) einen Ausflug nach Schmöckwitz: "Nach Grünau folgt als nächste Station der Görlitzer Bahn Schmöckwitz. Von der Haltestelle führt ein ziemlich sandiger Weg durch die Heide in 30 min. nach dem eigentlichen Dorf, Wartehalle auf dem Bf. Schmöckwitz in reizender Lage am Langensee, Seddinsee und Zeuthener See." Theodor Fontane schreibt in seinen 1888 erschienenen "Irrungen und Wirrungen" über eine Fahrt mit dem Görlitzer Nachmittagszug nach Hankels Ablage: "Der Zug hatte nur wenige Wagen, aber auch diese waren schwach besetzt. Man sah in die Wald- und Heidelandschaft hinaus." Aus dieser historischen Sicht sind die ersten Bahnhofsanlagen am Haltepunkt Schmöckwitz (erbaut 1874) zu bewerten. Das Rittergut Radeland, die Keimzelle des 1893 gegründeten Ortes Eichwalde, hatte 1875 gerade 54 Einwohner. Der Haltepunkt war analog den anderen Bahnhöfen in Anordnung und Ausstattung in einfachster Form gebaut. Er befand sich südlich der Waldstraße parallel zur Kaiser Wilhelm- Straße (heute August-Bebel-Allee) und hatte 200 m lange Bahnsteige. Das Fahrkartenhäuschen
stand am nördlichen Bahnsteigende an der Waldstraße. Das Bahnhofsgebäude und zwei Toilettenhäuschen aus Holz befanden sich gegenüber, am Standort der jetzigen Blockstelle Eichwalde. Bis 1906 befand sich längs der jetzigen August-Bebel- Allee 15 -24 ein privates Anschlußgleis mit zwei Ladegleisen von je 135 m und einem Ausziehgleis von 80 m Länge. Auf diesem Gelände wurden 1906 die Güterverkehrsanlagen mit Güterschuppen und Laderampe erbaut. Die Vorortzüge nach Königs Wusterhausen fuhren ursprünglich von der Stadtbahn und dem Görlitzer Bahnhof ab. Da das südliche Gleispaar der Stadtbahn damals für den Fern- und Vorortverkehr und das nördliche Gleispaar für den Stadt- und Ringbahnverkehr genutzt wurden, erfolgte wegen der steigenden Streckenbelastung 1905 eine betriebliche Trennung des Vorortverkehrs auf der Görlitzer Bahn. Die Züge nach Grünau in der Mark verkehrten von Westend über die Stadtbahn. Die Züge nach Königs Wusterhausen fuhren ab Görlitzer Bahnhof. Am 17. September 1890 wurde das zweite Gleis von Grünau in der Mark bis Königs Wusterhausen in Betrieb genommen.

Wärterbude Bahnhof SchmöckwitzBf. Schmöckwitz: Blick von der Wärterbude an der (heutigen) Waldstraße auf den Seitenbahnsteig Richtung Berlin.

Dem Kursbuch von 1893 sind folgende Angaben zu entnehmen:
Tarif Görlitzer Bf . - Schmöckwitz
2. Klasse 45 Pf
3. Klasse 30 Pf
Zu dieser Zeit verkehrten zwischen Görlitzer Bahnhof und Königs Wusterhausen - mit Halt in Schmöckwitz - etwa alle 2 Stunden Vorortzüge. Die Fahrzeit zwischen Schmöckwitz und Görlitzer Bahnhof betrug jetzt 37 Minuten und zwischen Schmöckwitz und Grünau 9 Minuten. Die "Gemeindeväter" von Eichwalde erkannten von Anfang an die Bedeutung und den Einfluß der Eisenbahn auf die zukünftige Entwicklung der Gemeinde. Von 1893 bis 1898 rangen sie mit der Eisenbahnverwaltung um einen Neubau des Haltepunktes etwa 600 m weiter südlich, da der Haltepunkt Schmöckwitz sich in nördlicher Randlage der Gemeinde befand und die südliche Verlegung in eine nähere Lage zur Gemeindemitte mit den allgemeinen Interessen übereinstimmte und die Einfachheit der bestehenden Bahnhofsanlagen eine Änderung verlangte, die auch den mit der Bebauungsplanung vorgesehenen Bevölkerungszuwachs berücksichtigte. Nach jahrelangen Verhandlungen kam es zum Neubau des Bahnhofs am Standort Bahnhof/Schulzendorfer Straße. Voraussetzungen und Bedingungen waren seitens der Gemeinde Eichwalde: kostenlose Übergabe von 2 ha 3 a 34 m2 im Wert von 70.000 M an den Eisenbahnfiskus ein barer Zuschuß von 10.000 M Kostenübernahme für die Pflasterung der Straße längs des Bahnhofs von 18.000 M Verzicht auf Anliegerbeiträge für Gebäude und andere bauliche Anlagen auf Bahngebiet einschl. der Wohnhäuser für Arbeiter und Beamte und seitens der Eisenbahnverwaltung:  Neubau des Bahnhofs Berechtigung der Gemeinde Eichwalde zur Erhebung von Anliegerbeiträgen der abgezweigten oder an Dritte verpachteten Parzellen. Am 1. Juli 1898 wurde der Bahnhof Eichwalde- Schmöckwitz, wie er nunmehr hieß, sowohl für den Personen-, als auch für den Gepäckverkehr in Betrieb genommen. Die Ausgestaltung des Bahnhofs umfaßte: den Zugang zu dem Bahnsteig durch einen Tunnel (unter den damals bestehenden zwei Gleisen) 200 m Bahnsteiglänge mit 51 m Überdachung (1908 auf 94 m verlängert) Vorraum mit Fahrkartenverkauf und Gepäckabfertigung Warteraum, Toilettengebäude und eine Bude als Bahnsteigaufbauten. Im Jahre 1899 wurde das Eisenbahnerwohnhaus Kaiser- Wilhelm-Straße 47 errichtet. Im gleichen Jahr bemühte sich die Eisenbahnverwaltung um den Bau eines weiteren Wohngebäudes an der Nordseite des Zugangs zum Personentunnel Bahnhofstraße. Wegen der beengten Verhältnisse an diesem Standort gab die Gemeinde keine Zustimmung. Das Stellwerk Eww (früher Esb) wurde 1900 an der Friedenstraße erbaut. Parallel zum Drängen auf den Bau eines leistungsfähigen Personenbahnhofs ging es den "Gemeindevätern" auch um die Errichtung einer öffentlichen Güterverkehrsanlage. Die wachsende Bautätigkeit brachte umfangreiche Baumaterialtransporte, durch die wirtschaftliche Probleme für die Gemeinde entstanden. Dem Heimatbuch von Eichwalde ist zu entnehmen, daß: 
1893 : 120 W a g e n  1894 : 69 W a g e n 
1895 (Januar -Oktober): 94 Wagen über den privaten Güteranschluß von Seegers und Genossen überführt wurden. Da die Überführungsgebühren nicht unbeträchtlich waren, kamen aus Rentabilitätsgründen viele Baumaterialien auf dem Wasserweg an. Sie wurden von der am Zeuthener See gelegenen Eichwalder Ablage durch eine schmalspurige Bahn auf die betreffenden Bauplätze geschafft. Die Einwohnerzahl stieg von 409 Personen (1895) über 809 Personen (1900) auf 1.040 Personen im Jahre 1905. Eine Lösung beim Bau der Güterverkehrsanlagen konnte mit der Eisenbahnverwaltung erst erreicht werden, als sich die Gemeinde Eichwalde einverstanden erklärte, zu den veranschlagten Baukosten von 30.000 M einen einmaligen Beitrag von 22.500 M zu leisten und die mit der Verlegung des Wegübergangs im Zuge der Mozart- /Stadionstraße zur Friedenstraße verbundenen Kosten einschließlich der Unterhaltung, Beleuchtung und Reinigung außerhalb der Bahnschranken liegender Wegeteile zu übernehmen. So erklärt sich die eigenartige Kurve der Stadionstraße. Am 1. April 1906 wurde der Betrieb des Güterbahnhofs für den Leichen-, Tier-, Stückgut- und Wagenladungsverkehr eröffnet.
Die Abfertigung von Sprengstoffen wurde bis auf weiteres ausgeschlossen. Der Gleisplan weist für die Güterverkehrs- anlagen 2 Ladegleise mit 270 m bzw. 220 m Länge und eine Laderampe mit 40 m Gleis am Güterschuppen auf. In der Kaiser- Wilhelm-Straße längs des Güterbahnhofs ließen sich Gewerbetreibende nieder. Zur Bedeutung des Bahnhofs stellte Spatz 1912 in dem Buch "Der Teltow" fest: "Der Bau eines Bahnhofs trug sehr zum Aufblühen dieses Vororts bei", und Hannemann (langjähriger Kämmerer des Kreises Teltow) äußerte 1931 in dem Buch "Der Kreis Teltow": "Der Eisenbahnverkehr, insbesondere der Vorortverkehr, hat die Entwicklung der beteiligten Gemeinden und Kreisgebiete in hervorragender Weise gefördert." Das drückt sich im raschen Anstieg der Einwohnerzahl der Gemeinde Eichwalde aus:

1910 : 1.565 Personen
1913: 2.005 Personen
1918: 2.448 Personen
1925: 3.327 Personen
1930: 4.153 Personen
1935: 5.504 Personen
1939: 6.318 Personen

Eine ähnliche Entwicklung nahmen auch die Nachbargemeinden Schulzendorf und Zeuthen-Miersdorf. Der Anstieg der Einwohnerzahl im Südosten Berlins brachte bereits 1904 einen Spitzenverkehr von 412 Vorortzügen je Tag bis Grünau in der Mark aus der Stadt-und Ringbahn einschließlich Görlitzer Bahnhof. Bis 1909 wurde deshalb parallel zur Görlitzer Bahn zusätzlich eine Vorortstrecke bis Grünau in der Mark gebaut.

Mit freundlicher Genehmigung: aus Heft BVB 6/94 von Reiner Brandhorst (gekürzt)nach oben >

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